Art Alps Beyond richtet den Blick über den alpinen Raum hinaus. Von Weltausstellungen wie der Expo in Japan bis zu ortsspezifischen Projekten in Wüsten, Metropolen oder abgelegenen Landschaften folgen wir kulturellen Ereignissen, die neue Perspektiven eröffnen. Vor Ort, aufmerksam und unabhängig – mit einem alpinen Blick auf globale Kunst- und Kulturräume.
Peter Jakubitz- Online Editor

Hilma af Klint im Grand Palais, Paris
Vom 6. Mai bis 30. August 2026 widmen der Grand Palais und das Centre Pompidou der schwedischen Malerin Hilma af Klint die erste große monografische Ausstellung in Frankreich. Im Zentrum steht ihr Zyklus der „Tempelbilder", jene rund 190 Werke, die zwischen 1906 und 1915 entstanden und lange Zeit verborgen blieben.
ArtAlpsReview richtet den Blick nach Paris und geht der Frage nachgehen, was diese Schau für die Neubewertung der Kunstgeschichte bedeutet. Af Klint komponierte ihre geometrischen, farbintensiven Bilderwelten Jahre vor Kandinsky und Malewitsch, hielt ihr abstraktes Werk zu Lebzeiten jedoch bewusst geheim. Erst 1986, mit der Ausstellung „The Spiritual in Art" in Los Angeles, wurde es öffentlich zugänglich. Kurator Pascal Rousseau ordnet die Serien nun in einen größeren Zusammenhang aus Theosophie, Spiritismus und früher Moderne ein.
Für uns eine spannende Gelegenheit, eine Künstlerin zu betrachten, deren Weg zur Anerkennung fast ein Jahrhundert gedauert hat, und zu fragen, welche Stimmen der Kunstgeschichte noch immer übersehen werden.

Leandro Erlich im Grand Palais, Paris
Vom 2. Juni bis 6. September 2026 verwandelt der argentinische Künstler Leandro Erlich den Grand Palais in ein Labor der Wahrnehmung. Es ist seine erste monografische Ausstellung in Frankreich, nach Stationen in Tokio, Miami und Mailand nun die bislang größte europäische Retrospektive seines Werks.
ArtAlpsReview hat die Schau besucht und ist der Frage nachgehen, wie sich Erlichs Interesse an Illusion, Architektur und Alltagswahrnehmung zu unserem eigenen Blick auf Raum verhält. Wo endet die gebaute Realität, wo beginnt das Konstruierte?
Vierzehn raumgreifende Installationen, die von schwimmenden Booten ohne Wasser bis zur liegenden Fassade eines Pariser Wohnhauses, die sich im geneigten Spiegel aufrichtet, reichen. Besonders spannend: der Dokumentationsraum, der über dreißig Jahre künstlerischer Praxis im öffentlichen Raum nachzeichnet, von Buenos Aires bis in urbane Kontexte weltweit.

La Caverne du Pont Neuf
Vierzig Jahre nach Christo und Jeanne-Claude, die den Pont Neuf 1985 in 41.800 Quadratmeter goldenes Tuch hüllten, greift der Fotograf und Aktionskünstler JR denselben Ort — und dieselbe Idee — wieder auf. Nicht als Hommage im musealen Sinn, sondern als eigenständige Geste: Der französische Künstler verwandelt die älteste Brücke von Paris in eine 120 Meter lange, begehbare Höhle aus bedruckten Materialien, die an den Kalkstein erinnern, aus dem die Brücke und weite Teile der Stadt einst gebaut wurden. Das Rohe trifft auf das Raffinierte — Pariser Untergrund, buchstäblich über die Stadt gelegt.
Die Installation ist kostenlos, rund um die Uhr zugänglich und vom Wasser aus ebenso sichtbar wie zu Fuß. Für alle, die im Juni in Paris sind: ein Pflichttermin.
Ort: Pont Neuf, Paris, FR
Termin: 6. bis 28. Juni 2026
Link: jr-art.net

Anselm Kiefer - Palazzo Reale,Milano
In der Sala delle Cariatidi des Palazzo Reale in Mailand, jenem von Kriegsschäden gezeichneten Prunksaal, in dem 1953 bereits Picassos Guernica hing, zeigt Anselm Kiefer noch bis 27. September 2026 seine neue, eigens für den Ort konzipierte Werkserie Die Alchemistinnen – ein monumentales Hommage-Projekt an vergessene und verleumdete Frauen der Wissensgeschichte, von Caterina Sforza bis Mary Anne Atwood.
ArtAlpsReview war vor Ort und hat sich angesehen, wie Gold, Blei und Asche mit den nie restaurierten Brandspuren des Saals in Dialog treten – und an welcher Stelle die Bildsprache selbst noch in jenen Mustern verharrt, die sie eigentlich aufzubrechen versucht.
Ein Abstecher, der sich für jeden lohnt, der ohnehin Richtung Mailand unterwegs ist.
Ort: Palazzo Reale, Sala delle Cariatidi, Mailand, IT
Termin: bis 27.9.2026
Link: Palazzo Reale

Art Walks Provence – Kunst unter südlichem Licht
Im Mai wird die Provence zur weitläufigen Freilichtgalerie. Die Region bietet eine bemerkenswerte Dichte an Kunstorten:
Château La Coste bei Aix-en-Provence verbindet Architektur von Tadao Ando und Skulpturen von Louise Bourgeois mit der sanften Weite provenzalischer Weinberge.
In Le Muy versammelt die erst 2024 eröffnete Fondation Venet monumentale Stahlskulpturen von Bernar Venet neben Minimal- und Konzeptkunst von LeWitt, Judd und Flavin.
Die Fondation Carmignac auf der Île de Porquerolles setzt Kunst ins Gespräch mit dem Mittelmeerlicht und dem Klang der Küste.
Den Abschluss bildet die Fondation Maeght – der Klassiker unter den Kunstparks der Region.
ArtAlpsReview war mit einer Reise für Kunstfreunde dabei und berichtet.

Tour d´arte di Venezia 2026
Wer mit dem Vaporetto den Canal Grande entlangfährt, merkt schnell: In Venedig ist Kunst keine Attraktion – sie ist Teil der DNA der Stadt.
Mit der 61. Biennale verwandelt sich die Lagunenstadt einmal mehr in den wohl dichtesten Schauplatz zeitgenössischer Kunst weltweit. Unter dem Titel „In Minor Keys“ wird die Vision der 2025 verstorbenen Kuratorin Koyo Kouoh von ihrem Team in den Giardini, im Arsenale und an zahlreichen Orten der Stadt weitergetragen. Die Biennale läuft von Mai bis November 2026 und bespielt weit mehr als nur die offiziellen Ausstellungsgelände.
Doch die Biennale ist nur ein Teil des Erlebnisses. Über ganz Venedig verteilt entstehen parallel Ausstellungen, Interventionen und künstlerische Entdeckungen, die den Kunstbesuch zu einer Expedition durch Palazzi, Kirchen und versteckte Höfe machen.
Ein besonderer Höhepunkt in diesem Jahr ist die Sammlung von François Pinault. Die Ausstellungen in Punta della Dogana und Palazzo Grassi gehören zu den stärksten Positionen abseits der offiziellen Biennale und sind allein schon eine Reise wert.
👉 Den vollständigen Bericht mit den wichtigsten Eindrücken, Empfehlungen und Highlights lesen Sie auf Art Alps Review:
Biennale Venedig 2026 – Art Alps Review

Biennale Bregaglia 2026 — Transito
Das Bergell ist kein neutraler Ausstellungsraum. Es ist ein Durchgangstal, seit Jahrhunderten Handels- und Schmuggelroute zwischen der Schweiz und Italien, geprägt von Schichten aus Geschichte, Dialekt und Landschaft. Genau das macht es zum richtigen Ort für eine Biennale, die „Transito" als Thema wählt: Durchgang, Austausch, Verwandlung.
Die vierte Ausgabe der Biennale Bregaglia, kuratiert von Anna Radaelli aus Tirano, dehnt sich erstmals über das gesamte Tal aus — von Maloja bis Castasegna. Rund zehn Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt bespielt Dörfer, Außenräume und historische Orte entlang der Talroute. Die Werke fügen sich in den Rhythmus der Landschaft ein, nicht umgekehrt. Wer die Ausstellung sehen will, muss sich bewegen — das Thema ist Programm.
Für artalpsreview ist die Biennale Bregaglia ein Paradebeispiel dessen, wofür wir stehen: zeitgenössische Kunst, die ohne institutionellen Überbau auskommt und ihren Sinn aus dem Ort selbst gewinnt. Wir werden vor Ort berichten.
Ort: Val Bregaglia, Graubünden, CH
Termin: 7.6. bis 27.9.2026
Link: biennale-bregaglia.ch

Desert X AlUla 2026 - ab in die Wüste
Mit Desert X AlUla 2026 verlagert sich der Blick von urbanen Zukunftsbildern in die radikale Offenheit der Wüste. Die internationale Open-Air-Kunstausstellung findet im nord-westlichen Saudi-Arabien statt und läuft vom 16. Januar bis 28. Februar 2026, eingebettet in das AlUla Arts Festival. 11 großformatige Installationen zeitgenössischer Künstler reagieren direkt auf die monumentale Landschaft und verhandeln dort Maßstab, Zeit und Wahrnehmung neu – fernab klassischer Ausstellungsräume, mitten im Terrain. Weitere spannende Events ergönzen dieses Landartprojekt im westlichen Saudi Arabien.
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Paris im Jänner 2026 – Gerhard Richter& neue Museen
Mit der großen Gerhard-Richter-Retrospektive in der Fondation Louis Vuitton und dem spektakulären Neustart der Fondation Cartier bietet Paris Anfang Jänner 2026 ein selten dichtes Panorama moderner bis zeitgenössischer Bildwelten. Während in Frank Gehrys lichtdurchflutetem Bau 275 Werke aus sechs Jahrzehnten Richters Werkentwicklung nachzeichnen, verwandelt Jean Nouvel am Palais Royal die Fondation Cartier in ein transparentes architektonisches Labor für die „Exposition Générale“ mit rund 600 Arbeiten aus 40 Jahren. Ergänzt wird dieser Doppelschwerpunkt durch einen Ausblick auf das Musée Giacometti, das ab 2028 den Kosmos des Schweizer Bildhauers in einem neuen Pariser Museumsbau bündeln soll – ein Versprechen für kommende Kunstreisen.

Expo Japan 2025 - Österreich präsentiert sich
Mit der Expo 2025 Osaka, Kansai richtet Art Alps Beyond den Blick auf ein globales Kultur- und Zukunftsereignis, das vom 13. April bis 13. Oktober 2025 auf der künstlichen Insel Yumeshima stattfand. Unter dem Thema „Designing Future Society for Our Lives“ präsentierten nationale und internationale Beiträge Innovation, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Perspektiven. Für Art Alps Beyond zeigt die Expo, wie Künstlerische Interventionen und kulturelle Experimente weltweit wirken – fernab alpiner Räume, doch aus einem bewussten alpinen Blickwinkel. beobachtet.
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art KARLSRUHE 2026
Vom 5. bis 8. Februar 2026 öffnet die art KARLSRUHE wieder ihre Tore und präsentiert sich als internationale Messe für Klassische Moderne und Gegenwartskunst. In den Hallen der Messe Karlsruhe, im Herzen Europas, treffen etablierte Galerien auf innovative Positionen.
ArtAlpsReview wird vor Ort sein und den Fokus auf junge Kunst und aufstrebende Positionen legen. Welche neuen Stimmen sind zu hören? Welche künstlerischen Ansätze prägen die kommende Generation?
Die Messe bietet weit mehr als klassische Galerienstandorte: Renommierte Sonderausstellungen (heuer u.a. zum Thema Papier), inspirierende Talks mit Persönlichkeiten der Kunstwelt und Preisverleihungen machen die art KARLSRUHE zu einem umfassenden Kunsterlebnis. Besonders interessant für uns: mögliche Schnittstellen zwischen alpinem Raum und internationaler Kunstszene.

Eröffnung Erweiterungsbauten - Fondation Beyeler
Die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel eröffnet 2026 die neuen, vom Atelier Peter Zumthor entworfenen Erweiterungsbauten im Berower- und Iselin-Weber-Park, die zusätzliche Ausstellungs- und Veranstaltungsflächen schaffen und den öffentlich zugänglichen Park deutlich vergrößern. Die drei kleinteiligen Neubauten – ein Haus für Kunst, ein Veranstaltungspavillon und ein Servicegebäude – verbinden den bestehenden Park mit dem neu zugänglichen Iselin-Weber-Park und stärken das Zusammenspiel von Kunst, Architektur und Natur.
Adresse: Fondation Beyeler, Baselstrasse 101, 4125 Riehen (Basel), Schweiz. Informationen zum Neubauprojekt finden sich auf der Website der Fondation Beyeler unter dem Bereich „Museumsneubau“: https://www.fondationbeyeler.ch/museum/museumsneubau.
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