Art Alps Beyond richtet den Blick immer wieder mal über den alpinen Raum hinaus. Von Weltausstellungen wie der Expo in Japan, die Kunstinseln Naoshima und Teshima bis hin zu ortsspezifischen Projekten in Wüsten, Metropolen oder abgelegenen Landschaften folgen wir kulturellen Ereignissen, die neue Perspektiven eröffnen. Vor Ort, aufmerksam und unabhängig – mit einem klaren Blick auf globale Kunst- und Kulturräume.
Peter Jakubitz- Online Editor

Large – Neues Kunstzentrum bei Paris
Mit 17. Oktober 2026, hat auf der Île Seguin in Boulogne-Billancourt, unmittelbar westlich von Paris, das Kunstzentrum Large eröffnet. Das Haus der katalanischen RCR Arquitectes bietet auf rund 5.000 Quadratmetern Platz für die zeitgenössische Szene von Paris, von jungen Positionen bis zu großen Namen. Der Ort ist selbst eine Geschichte: Auf der Flussinsel stand einst die Renault-Fabrik.
Zur Eröffnung zeigt Large bis 7. März 2027 „Moteur Imaginaire”, kuratiert von Cecilia Alemani. Die Schau fragt nach dem Verhältnis von Mensch, Fabrik und Maschine und stellt Werke aus der Renault Collection neuen Arbeiten gegenüber. Ein Teil des Hauses ist gratis zugänglich, geöffnet ist von Mittwoch bis Sonntag, jeweils 11 bis 19 Uhr.
ArtAlpsReview wird Large im Jänner 2027 besuchen. Uns interessiert, was ein Haus dieser Größe für die Kunstszene einer Metropole verändert und was Orte im Alpenraum daraus lernen können, die ebenfalls in Industriebauten oder an ungewöhnlichen Schauplätzen arbeiten.
Stay tuned: Unsere Reportage aus Paris folgt nach dem Besuch im Jänner 2027.
Zum Bericht (noch nicht freigeschaltet)

Neue Zumthor Bauten in der Fondation Beyeler
Seit dem 26. September 2026 stehen neben Renzo Pianos Museum in Riehen bei Basel drei neue Bauten von Peter Zumthor. Ein Haus für Kunst, ein Veranstaltungspavillon und ein Servicegebäude verbinden den bestehenden Park mit dem neu zugänglichen Iselin-Weber-Park, die Parkfläche wächst fast auf das Doppelte.
ArtAlpsReview war Anfang Oktober vor Ort. Unser Eindruck: solide Arbeit, nichts Spektakuläres, und gerade deshalb harmonisch eingebettet. Der Eintritt führt direkt ins Museum, einen Kassenbereich gibt es nicht. Die Fassade aus Kalkstein überzeugt, die Details sind präzise, die Blicke von Fenstern und Terrasse wunderbar. Den Abgang in den Garten mit seinen Kunstwerken und den kleinen Trommler auf dem Dach sollte man nicht versäumen.
Im Bericht ordnen wir den Bau auch im Vergleich mit Zumthors Kunsthaus Bregenz und Renzo Pianos Museum ein und erzählen, was Orangerie und Restaurant bieten.

Hilma af Klint im Grand Palais, Paris
Vom 6. Mai bis 30. August 2026 widmen der Grand Palais und das Centre Pompidou der schwedischen Malerin Hilma af Klint die erste große monografische Ausstellung in Frankreich. Im Zentrum steht ihr Zyklus der „Tempelbilder", jene rund 190 Werke, die zwischen 1906 und 1915 entstanden und lange Zeit verborgen blieben.
ArtAlpsReview richtet den Blick nach Paris und geht der Frage nachgehen, was diese Schau für die Neubewertung der Kunstgeschichte bedeutet. Af Klint komponierte ihre geometrischen, farbintensiven Bilderwelten Jahre vor Kandinsky und Malewitsch, hielt ihr abstraktes Werk zu Lebzeiten jedoch bewusst geheim. Erst 1986, mit der Ausstellung „The Spiritual in Art" in Los Angeles, wurde es öffentlich zugänglich. Kurator Pascal Rousseau ordnet die Serien nun in einen größeren Zusammenhang aus Theosophie, Spiritismus und früher Moderne ein.
Für uns eine spannende Gelegenheit, eine Künstlerin zu betrachten, deren Weg zur Anerkennung fast ein Jahrhundert gedauert hat, und zu fragen, welche Stimmen der Kunstgeschichte noch immer übersehen werden.

Leandro Erlich im Grand Palais, Paris
Vom 2. Juni bis 6. September 2026 verwandelt der argentinische Künstler Leandro Erlich den Grand Palais in ein Labor der Wahrnehmung. Es ist seine erste monografische Ausstellung in Frankreich, nach Stationen in Tokio, Miami und Mailand nun die bislang größte europäische Retrospektive seines Werks.
ArtAlpsReview hat die Schau besucht und ist der Frage nachgehen, wie sich Erlichs Interesse an Illusion, Architektur und Alltagswahrnehmung zu unserem eigenen Blick auf Raum verhält. Wo endet die gebaute Realität, wo beginnt das Konstruierte?
Vierzehn raumgreifende Installationen, die von schwimmenden Booten ohne Wasser bis zur liegenden Fassade eines Pariser Wohnhauses, die sich im geneigten Spiegel aufrichtet, reichen. Besonders spannend: der Dokumentationsraum, der über dreißig Jahre künstlerischer Praxis im öffentlichen Raum nachzeichnet, von Buenos Aires bis in urbane Kontexte weltweit.

La Caverne du Pont Neuf
Vierzig Jahre nach Christo und Jeanne-Claude, die den Pont Neuf 1985 in 41.800 Quadratmeter goldenes Tuch hüllten, greift der Fotograf und Aktionskünstler JR denselben Ort — und dieselbe Idee — wieder auf. Nicht als Hommage im musealen Sinn, sondern als eigenständige Geste: Der französische Künstler verwandelt die älteste Brücke von Paris in eine 120 Meter lange, begehbare Höhle aus bedruckten Materialien, die an den Kalkstein erinnern, aus dem die Brücke und weite Teile der Stadt einst gebaut wurden. Das Rohe trifft auf das Raffinierte — Pariser Untergrund, buchstäblich über die Stadt gelegt.
Die Installation ist kostenlos, rund um die Uhr zugänglich und vom Wasser aus ebenso sichtbar wie zu Fuß. Für alle, die im Juni in Paris sind: ein Pflichttermin.
Ort: Pont Neuf, Paris, FR
Termin: 6. bis 28. Juni 2026
Link: jr-art.net

Anselm Kiefer - Palazzo Reale,Milano
In der Sala delle Cariatidi des Palazzo Reale in Mailand, jenem von Kriegsschäden gezeichneten Prunksaal, in dem 1953 bereits Picassos Guernica hing, zeigt Anselm Kiefer noch bis 27. September 2026 seine neue, eigens für den Ort konzipierte Werkserie Die Alchemistinnen – ein monumentales Hommage-Projekt an vergessene und verleumdete Frauen der Wissensgeschichte, von Caterina Sforza bis Mary Anne Atwood.
ArtAlpsReview war vor Ort und hat sich angesehen, wie Gold, Blei und Asche mit den nie restaurierten Brandspuren des Saals in Dialog treten – und an welcher Stelle die Bildsprache selbst noch in jenen Mustern verharrt, die sie eigentlich aufzubrechen versucht.
Ein Abstecher, der sich für jeden lohnt, der ohnehin Richtung Mailand unterwegs ist.
Ort: Palazzo Reale, Sala delle Cariatidi, Mailand, IT
Termin: bis 27.9.2026
Link: Palazzo Reale

Art Walks Provence – Kunst unter südlichem Licht
Im Mai wird die Provence zur weitläufigen Freilichtgalerie. Die Region bietet eine bemerkenswerte Dichte an Kunstorten:
Château La Coste bei Aix-en-Provence verbindet Architektur von Tadao Ando und Skulpturen von Louise Bourgeois mit der sanften Weite provenzalischer Weinberge.
In Le Muy versammelt die erst 2024 eröffnete Fondation Venet monumentale Stahlskulpturen von Bernar Venet neben Minimal- und Konzeptkunst von LeWitt, Judd und Flavin.
Die Fondation Carmignac auf der Île de Porquerolles setzt Kunst ins Gespräch mit dem Mittelmeerlicht und dem Klang der Küste.
Den Abschluss bildet die Fondation Maeght – der Klassiker unter den Kunstparks der Region.
ArtAlpsReview war mit einer Reise für Kunstfreunde dabei und berichtet.

Tour d´arte di Venezia 2026
Wer mit dem Vaporetto den Canal Grande entlangfährt, merkt schnell: In Venedig ist Kunst keine Attraktion – sie ist Teil der DNA der Stadt.
Mit der 61. Biennale verwandelt sich die Lagunenstadt einmal mehr in den wohl dichtesten Schauplatz zeitgenössischer Kunst weltweit. Unter dem Titel „In Minor Keys“ wird die Vision der 2025 verstorbenen Kuratorin Koyo Kouoh von ihrem Team in den Giardini, im Arsenale und an zahlreichen Orten der Stadt weitergetragen. Die Biennale läuft von Mai bis November 2026 und bespielt weit mehr als nur die offiziellen Ausstellungsgelände.
Doch die Biennale ist nur ein Teil des Erlebnisses. Über ganz Venedig verteilt entstehen parallel Ausstellungen, Interventionen und künstlerische Entdeckungen, die den Kunstbesuch zu einer Expedition durch Palazzi, Kirchen und versteckte Höfe machen.
Ein besonderer Höhepunkt in diesem Jahr ist die Sammlung von François Pinault. Die Ausstellungen in Punta della Dogana und Palazzo Grassi gehören zu den stärksten Positionen abseits der offiziellen Biennale und sind allein schon eine Reise wert.
👉 Den vollständigen Bericht mit den wichtigsten Eindrücken, Empfehlungen und Highlights lesen Sie auf Art Alps Review:
Biennale Venedig 2026 – Art Alps Review

Biennale Bregaglia 2026 — Transito
Das Bergell ist kein neutraler Ausstellungsraum. Es ist ein Durchgangstal, seit Jahrhunderten Handels- und Schmuggelroute zwischen der Schweiz und Italien, geprägt von Schichten aus Geschichte, Dialekt und Landschaft. Genau das macht es zum richtigen Ort für eine Biennale, die „Transito" als Thema wählt: Durchgang, Austausch, Verwandlung.
Die vierte Ausgabe der Biennale Bregaglia, kuratiert von Anna Radaelli aus Tirano, dehnt sich erstmals über das gesamte Tal aus — von Maloja bis Castasegna. Rund zehn Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt bespielt Dörfer, Außenräume und historische Orte entlang der Talroute. Die Werke fügen sich in den Rhythmus der Landschaft ein, nicht umgekehrt. Wer die Ausstellung sehen will, muss sich bewegen — das Thema ist Programm.
Für artalpsreview ist die Biennale Bregaglia ein Paradebeispiel dessen, wofür wir stehen: zeitgenössische Kunst, die ohne institutionellen Überbau auskommt und ihren Sinn aus dem Ort selbst gewinnt. Wir werden vor Ort berichten.
Ort: Val Bregaglia, Graubünden, CH
Termin: 7.6. bis 27.9.2026
Link: biennale-bregaglia.ch

Desert X AlUla 2026 - ab in die Wüste
Mit Desert X AlUla 2026 verlagert sich der Blick von urbanen Zukunftsbildern in die radikale Offenheit der Wüste. Die internationale Open-Air-Kunstausstellung findet im nord-westlichen Saudi-Arabien statt und läuft vom 16. Januar bis 28. Februar 2026, eingebettet in das AlUla Arts Festival. 11 großformatige Installationen zeitgenössischer Künstler reagieren direkt auf die monumentale Landschaft und verhandeln dort Maßstab, Zeit und Wahrnehmung neu – fernab klassischer Ausstellungsräume, mitten im Terrain. Weitere spannende Events ergönzen dieses Landartprojekt im westlichen Saudi Arabien.
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Paris im Jänner 2026 – Gerhard Richter& neue Museen
Mit der großen Gerhard-Richter-Retrospektive in der Fondation Louis Vuitton und dem spektakulären Neustart der Fondation Cartier bietet Paris Anfang Jänner 2026 ein selten dichtes Panorama moderner bis zeitgenössischer Bildwelten. Während in Frank Gehrys lichtdurchflutetem Bau 275 Werke aus sechs Jahrzehnten Richters Werkentwicklung nachzeichnen, verwandelt Jean Nouvel am Palais Royal die Fondation Cartier in ein transparentes architektonisches Labor für die „Exposition Générale“ mit rund 600 Arbeiten aus 40 Jahren. Ergänzt wird dieser Doppelschwerpunkt durch einen Ausblick auf das Musée Giacometti, das ab 2028 den Kosmos des Schweizer Bildhauers in einem neuen Pariser Museumsbau bündeln soll – ein Versprechen für kommende Kunstreisen.

Expo Japan 2025 - Österreich präsentiert sich
Mit der Expo 2025 Osaka, Kansai richtet Art Alps Beyond den Blick auf ein globales Kultur- und Zukunftsereignis, das vom 13. April bis 13. Oktober 2025 auf der künstlichen Insel Yumeshima stattfand. Unter dem Thema „Designing Future Society for Our Lives“ präsentierten nationale und internationale Beiträge Innovation, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Perspektiven. Für Art Alps Beyond zeigt die Expo, wie Künstlerische Interventionen und kulturelle Experimente weltweit wirken – fernab alpiner Räume, doch aus einem bewussten alpinen Blickwinkel. beobachtet.
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Naoshima & Teshima -Inseln der Kunst
Abseits der Alpen, mitten im Seto-Binnenmeer: Zwei kleine japanische Inseln, die zeigen, wie radikal Kunst einen Ort verändern kann. artalpsreview war im Oktober 2025 mit dem E-Bike unterwegs – vorbei an Yayoi Kusamas Red Pumpkin, hinein in Tadao Andos unterirdisches Chichu Art Museum, durch die kunstverwandelten Dorfhäuser von Honmura bis ins soeben eröffnete Naoshima New Museum of Art. Auf Teshima erwartete uns mit dem schwebend leichten Teshima Art Museum und Christian Boltanskis Archiv der Herzschläge noch einmal eine ganz andere, stillere Intensität. Ein Reisebericht über eine der eindrücklichsten Kunstlandschaften der Welt – und darüber, warum sich ein Besuch gerade jetzt besonders lohnt.

art KARLSRUHE 2026
Vom 5. bis 8. Februar 2026 öffnet die art KARLSRUHE wieder ihre Tore und präsentiert sich als internationale Messe für Klassische Moderne und Gegenwartskunst. In den Hallen der Messe Karlsruhe, im Herzen Europas, treffen etablierte Galerien auf innovative Positionen.
ArtAlpsReview wird vor Ort sein und den Fokus auf junge Kunst und aufstrebende Positionen legen. Welche neuen Stimmen sind zu hören? Welche künstlerischen Ansätze prägen die kommende Generation?
Die Messe bietet weit mehr als klassische Galerienstandorte: Renommierte Sonderausstellungen (heuer u.a. zum Thema Papier), inspirierende Talks mit Persönlichkeiten der Kunstwelt und Preisverleihungen machen die art KARLSRUHE zu einem umfassenden Kunsterlebnis. Besonders interessant für uns: mögliche Schnittstellen zwischen alpinem Raum und internationaler Kunstszene.

Fogo Island Arts - Kanada - Vorschau 2027
Fogo Island Arts, das künstlerische Herzstück der kanadischen Shorefast Foundation, befindet sich mitten im Übergang von der Pionierphase zu einer breiter abgestützten Institution. Shorefast ist eine kanadische eingetragene Wohltätigkeitsorganisation, die sich dem Aufbau kultureller und wirtschaftlicher Resilienz auf Fogo Island widmet, mit dem Fogo Island Inn als Tochterorganisation und Fogo Island Arts als karitativem Programm, das durch Projekte mit international tätigen Künstlerinnen und Wissenschaftlern Aufmerksamkeit auf die Insel lenkt. Über die vergangenen 16 Jahre ist Fogo Island Arts zu einem Programm aus Ausstellungen, öffentlichen Veranstaltungen, Publikationen und Forschungsprojekten herangewachsen, das Kunst und Ideen erkundet und lokale mit globalen Perspektiven verbindet.
Für 2026 bündelt die Foundation mehrere Residenzformate – derzeit laufen die Bewerbungsphasen für die Newfoundland and Labrador Artist Residency 2026 sowie die Residency for Emerging French Artists and Curators 2026 – und lädt vom 1. bis 3. Oktober 2026 zur zweiten Ausgabe des Formats „Shore Time: Art, Design, Place“, das Künstlerinnen, Kuratoren, Kritikerinnen, Architekten und Designer zusammenbringt, um menschzentriertes Schaffen und die Spezifik des Ortes zu diskutieren. Zugleich sucht die Institution aktiv nach neuen Partnerschaften: Fogo Island Arts ist auf der Suche nach Organisationen und Förderern, die Künstlerresidenzen, Publikationen und strategische Initiativen unterstützen, welche auf die Bedürfnisse der Zeit reagieren.
Adresse: Shorefast / Fogo Island Arts, 98 Iceberg Arena Road, Fogo Island Central, Newfoundland and Labrador, Kanada. Informationen zu Residenzen und Programm: https://www.fogoislandarts.ca sowie https://shorefast.org
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