Gastautorin Margot Prax 

Desert X AlUla 2026 - Kunst und Natur im Dialog

Inmitten einzigartiger Wüstenlandschaft findet in der Oase AlUla im Nordwesten Saudi Arabiens seit 2020 das Kunstfestival Desert X AlUla statt. Zu jeweils einem bestimmten Motto verwandeln Künstler:innen im Zwei-Jahres-Rhythmus die ohnehin schon faszinierende Umgebung in eine temporäre Outdoor-Galerie. In seiner diesjährigen vierten Ausgabe, zeigen elf saudische sowie internationale Künstler:innen raumspezifische Landart, Skulpturen und Installationen in großteils monumentalem Maßstab. 

Das Thema „Space without Measure“ ist von den poetischen Betrachtungen des libanesisch-amerikanischen Schriftstellers Khalil Gibran inspiriert und wird häufig zitiert als „….und Träume waren Raum ohne Maß“. Mit Desert X AlUla und dem parallel dazu veranstalteten AlUla Arts Festival legt die an archäologischen und landschaftlichen Schätzen überaus reiche Region eine erstaunliche Dynamik an den Tag.

Zum Schutz der Region von AlUla und der Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus wurde 2017 per königlichem Dekret die Royal Commission for AlUla (RCU) ins Leben gerufen. So war es auch die RCU, die für das aktuelle Desert X Festival 45 Werke sichtete. Daraus wurden 11 Positionen ausgewählt. Laut Artdirector Hamad Alhomedian bietet das Festival einen verlockenden Einblick in AlUlas Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wejdan Reda und Zoé Whitley als Co-Kuratoren unterstützen die künstlerischen Leiter Neville Waterfield und Raneem Farsi. 

Wichtig ist ihnen zu betonen, dass alle Werke in Saudi Arabien unter Verwendung lokaler Materialien und Einbeziehung regionaler Handwerker hergestellt wurden. Zu den Akteur:innen zählen arrivierte, renommierte sowie aufstrebende Künstler:innen, die mit ihren Beiträgen die spektakuläre Geologie in eine beeindruckende Galerie transferieren. Exemplarisch seien hier einige Bespiele genannt.

Zu dem aus europäischer Sicht bekannteren Teilnehmer gehört Tarek Atoui, der 2024 im Kunsthaus Bregenz zu Gast war. Mit „Water Song“ sorgt der Musiker und Klangkünstler für ein multisensorisches Erlebnis, das im südlichen Canyon des Ausstellungsgeländes verortet ist. Optisch wenig auffällig, überzeugt es akustisch umso mehr. Mit „Al Warsha“ hat er im AlJadidah Arts District in AlUla zudem einen simplen Raum in ein faszinierendes Klanglabor transformiert.

Wie Tarek Atoui, für den die Teilnahme am Festival keine Premiere ist, hat Héctor Zamora aus Mexiko ein soundbasiertes Werk geschaffen. „Tar HyPar“ besteht aus einem mächtigen organisch geformten Stahlgerüst, das auf die traditionelle saudische Trommel „tar“ referiert. Die Besucher:innen lassen sich durchaus bereitwillig darauf ein, die Trommel selbst zu schlagen. Wenn die individuellen Rhythmen durch die Ausrichtung des Rieseninstruments vor einem Felsentrichter widerhallen, sieht man vor kindlicher Freude strahlende Gesichter. 

Noch tatkräftigeres Zutun ist bei „Bloom“, dem massiven Werk des Kollektivs Bahraini-Danish erforderlich. Denn um die kinetische Skulptur in all ihren Facetten wirken zu lassen, bedarf es erheblicher körperlicher Anstrengungen. Kinder und Erwachsene legen sich kräftig ins Zeug, um die gewichtigen Räder zu drehen. Damit setzen sie das Spiel von Licht und Schatten in Gang, das vom Kreisen der - imaginären Pflanzen nachempfundenen - Elementen ausgelöst wird.

Völlig anders aber nicht weniger überzeugend ist der Beitrag von Maria Magdalena Campos Pons. Sie arbeitet überwiegend multidisziplinär, wobei die Verbundenheit zu unserer aller Herkunft über spirituelle und soziale Aspekte für sie besonders bedeutsam ist. Für „Imole Red“ ließ sie sich stark vom intensiven Farbenspiel, das sich je nach Lichteinfall auf den Felswänden der Canyons abbildet, beeinflussen. Imole bedeutet in der Yoruba-Sprache Licht. Wie ihre
Künstlerkollegen:innen versteht sie die vorhandene Natur vielmehr als Mitgestalterin denn als
Kulisse. 

Bei Basmah Felemban fällt dies besonders auf, indem sie sich mit „Murmur of Pebbles“, einer recht reduzierten Arbeit, dem geologischen Erinnern widmet. Für „What was the Question again?“ von Mohammad Alfaraj gilt dies ebenso. Denn er verknüpft die Erinnerung an die gärtnerische Expertise seines Großvaters mit dessen Wissen um die lebendige Kraft der
Erneuerung durch Koexistenz anhand der Aufzucht von Palmen.

Mit mehreren Positionen ist der in der saudischen Kunstwelt einflussreiche Mohammed AlSaalem (1939-1997) vertreten. Erstmals öffentlich zu sehen ist bei Desert X AlUla eine Serie seiner weniger bekannten Objekte, was laut der Tourbegleiterin dessen Tochter zu verdanken ist. Regelmäßig assoziieren Betrachter:innen die Exponate mit Beispielen aus science-fiction Filmen, berichtet sie weiter.

Desert X AlUla startete 2020 als erste Biennale für zeitgenössische Kunst in Saudi Arabien und erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Zudem ist es Vorläufer für das Wadi Al Fann (Tal der Kunst), das 2028 mit permanenten Installationen u.a.von James Turrell eröffnet werden soll. „The Living Pyramid“ von Agnes Denes, einer bedeutenden Pionierin der Landart, wird Teil davon sein. Bis dahin soll die Pyramide komplett von lokal beheimateten Pflanzen überwuchert sein. Derzeit sprießt es schon recht ansehnlich.

Gemeinsam mit dem Festival Arts AlUla verfolgt Saudi Arabien mit Initiativen wie der RCU als Teil der Vision 2030 einen ambitionierten Plan. Dieser besteht darin, sich als bedeutendste Destination für ein kunst- und kulturbegeistertes Publikum zu etablieren. Desert X AlUla 2026 dauert noch bis 28. Februar.

Das Festival Desert X AlUla 2026 präsentiert sich als überzeugendes Experiment der Landart. Unter dem Motto „Space without Measure" gelingt es den elf eingeladenen Künstler:innen bemerkenswert gut, die spektakuläre Wüstenlandschaft nicht als bloße Kulisse zu instrumentalisieren, sondern als aktive Mitgestalterin zu begreifen.Die Einbeziehung lokaler Materialien und Handwerker verleiht dem Festival eine authentische Verwurzelung im Ort. Desert X AlUla ist ein ernstzunehmenden Versuch, eine bislang kunstgeografisch periphere Region nachhaltig in den globalen Diskurs zeitgenössischer Kunst einzuschreiben. Dass Saudi Arabien mit Initiativen wie dieser einen ernsthaften Schritt kultureller Öffnung wagt – trotz einer Gesellschaft, die sich in vielem noch mitten im Transformationsprozess befindet – verleiht dem Festival eine Bedeutung, die über die Kunstwerke selbst hinausweist.

Mehr Informationen: Desert X AlUla 2026

ArtAlpsReview Reisehinweise

Informationen zur Anreise nach Alula

Vor Ort ist ratsam, eine Tour mit fachkundiger Begleitung über „Experience AlUla“ zu buchen. 
Derzeit werden täglich 20-30 Touren durchgeführt. Der Weg zum Visitor Center ist recht dürftig
beschrieben. Bester Anhaltspunkt: Gegenüber dem „Elephant Rock“ (Jabal fil) einbiegen.

Unterkünfte sind vor Ort in allen Kategorien verfügbar – wer das Erlebnis der Wüstenlandschaft auch nachts vollends auskosten möchte, findet im Glamping-Angebot von Caravan AlUla den passenden Rahmen dafür. 

 

Fotos: © Kunstwerke DesertX - Fotos 2026 P. Prax; Landschaft - unsplash;  Karte - google maps
 

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